Berlin · Region 1 von 6 · Stichtag 26. August 2026
Wie schwer ist es, in Berlin online einen Facharzttermin zu bekommen?
Wir haben alle 2.986 erreichbaren Facharzt-Profile in sieben Fachrichtungen auf Deutschlands größter Buchungsplattform erfasst und anschließend die reale Terminverfügbarkeit bei 359 buchbaren Praxen gemessen, getrennt abgefragt für gesetzlich und privat Versicherte. Privat Versicherte konnten bei 91 Prozent dieser Praxen buchen, mit sechs Tagen Median-Wartezeit. Gesetzlich Versicherte konnten bei 47 Prozent buchen: Die übrigen 53 Prozent zeigten ihnen binnen 98 Tagen keinen einzigen Termin.
Befund 1
In den meisten Fächern fanden gesetzlich Versicherte oft gar nichts
Für jede Praxis der Stichprobe haben wir den nächsten buchbaren Ersttermin abgefragt, getrennt für gesetzlich (GKV) und privat (PKV) Versicherte, mit Blick bis 98 Tage voraus. Die Grafik zeigt den Anteil der Praxen je Fachrichtung, deren GKV-Kalender im gesamten Fenster nichts zurückgab.
Anteil Praxen ohne einen einzigen Online-GKV-Termin binnen 98 Tagen
Berlin, 26. August 2026 · Verfügbarkeits-Stichprobe, rund 50 buchbare Praxen je Fach
Befund 2
In zwei Fächern behandelt der halbe Markt keine Kassenpatienten
Die Zensus-Ebene erfasst jedes erreichbare Profil, 2.986 insgesamt. Wo ein Profil seinen Abrechnungsstatus erklärt, schwankt der Nur-privat-Anteil enorm zwischen den Fächern. In der Psychotherapie, dem Fach mit Deutschlands berüchtigtsten Wartelisten, sind sieben von zehn erklärten Praxen reine Privatpraxen.
Nur-privat-Anteil unter Praxen mit erklärtem Abrechnungsstatus
Berliner Zensus, 26. August 2026 · 1.650 von 2.986 Profilen erklären einen Status
Befund 3
Die 53 Prozent ohne GKV-Termin, zerlegt
Unter den 359 Praxen der Stichprobe hat die GKV-Lücke zwei verschiedene Mechanismen, und die verdienen getrennte Lektüre.
Was 359 buchbare Berliner Praxen gesetzlich Versicherten anboten
Verfügbarkeits-Stichprobe, 26. August 2026
Das sind keine leeren Kalender: 166 der 189 Praxen ohne GKV-Termin zeigten im selben Moment einen offenen, buchbaren PKV-Termin. Nur 23 Praxen hatten für beide Versicherungsarten nichts. Jede Praxis dieser Stichprobe betreibt aktive Online-Buchung; Praxen ohne sie zählt der Zensus separat, sie stecken nie in dieser Grafik.
Zur Fairness gehört der Gegenpunkt: Wo Praxen einen gemeinsamen Kalender für beide Versicherungsarten führen, die Mehrheit der direkt vergleichbaren Fälle, sehen beide identische Termine. Die Ungleichheit sitzt im Zugang, nicht in einer flächendeckenden Zwei-Klassen-Wartezeit: Sie erscheint, wo Kalender getrennt werden, und vor allem darin, wer überhaupt einen Kalender bekommt.
Befund 4
Gleiche Praxis, gleiche Terminart, bis zu 112 Tage Abstand
Wo eine Praxis getrennte Kalender führt und für beide Versicherungsarten Termine veröffentlicht, wird die Lücke direkt messbar. Die größte Lücke je Fachrichtung, jeweils die identische Ersttermin-Terminart an der identischen Praxis. Termine jenseits unserer 98-Tage-Abfrage stammen aus dem Nächster-Termin-Feld der Plattform.
Tage bis zum nächsten buchbaren Ersttermin, nach Versicherungsart
Größte Lücke an derselben Praxis je Fachrichtung, Berlin, 26. August 2026
Befund 5
Englischsprachige Versorgung: vorhanden, ungleich verteilt
Über den gesamten Zensus führen 38 Prozent der Profile Englisch als Behandlungssprache. Die Orthopädie vorn, die Augenheilkunde hinten. In der Psychotherapie, wo englischsprachige Versorgung für internationale Patienten eine Lebensader ist, liegt das Angebot im Durchschnitt, aber sieben von zehn erklärten Praxen verlangen privaten Schutz.
Anteil Profile mit Englisch als Behandlungssprache
Berliner Zensus, 26. August 2026 · alle 2.986 erreichbaren Profile
Einordnung
Was diese Zahlen bedeuten, klar ausgesprochen
Die folgenden Schlussfolgerungen bleiben innerhalb dessen, was die Daten tragen.
- Online-Direktbuchung ist in Berlin überwiegend ein Privatversicherten-Kanal. Privat Versicherte konnten bei 91 Prozent der untersuchten Praxen buchen, gesetzlich Versicherte bei 47 Prozent. Die Bequemlichkeitsschicht des deutschen Gesundheitswesens hat eine Standard-Versicherungsart, und die ist privat.
- Die Lücke ist konfiguriert, kein Zufall. 166 der 189 Praxen, die gesetzlich Versicherten nichts zeigten, hatten im selben Moment einen offenen, buchbaren PKV-Termin, und jede fünfte Praxis schließt gesetzlich Versicherte vom Online-Ersttermin komplett aus. Das sind Einstellungen, gewählt Praxis für Praxis.
- In der Psychotherapie ist privater Schutz nahezu Voraussetzung für Online-Zugang. 69 Prozent der Berliner Psychotherapeuten mit erklärtem Abrechnungsstatus behandeln ausschließlich privat, und unter den buchbaren Praxen zeigte mehr als die Hälfte gesetzlich Versicherten kein Erstgespräch.
- Gesetzlich Versicherte sind nicht von der Versorgung ausgesperrt, aber von der Bequemlichkeit. Derselbe überweisungsfreie Termin, den ein Privatpatient in Minuten bucht, verlangt vom Kassenpatienten Telefonate, den Hausarztweg oder die 116117. Diese Studie misst genau diese Bequemlichkeitslücke, nicht mehr und nicht weniger.
- Für englischsprachige Patienten addieren sich beide Lücken. Englischsprachige Versorgung ist auffindbar (38 Prozent der Profile), konzentriert sich aber genau in den Fächern und Praxen, in denen privater Schutz die Tür öffnet.
Methode und Grenzen
Was diese Studie misst, und was nicht
- Zwei Ebenen. Eine Vollzählung aller 2.986 erreichbaren Profile (Sprachen, erklärter Abrechnungsstatus, Online-Buchbarkeit) und eine Verfügbarkeits-Stichprobe von 359 buchbaren Praxen, rund 50 je Fach, gleichmäßig über alle Ergebnisseiten gezogen, um die verfügbarkeitsbasierte Sortierung der Plattform nicht zu übernehmen.
- Plattform und Versicherungskategorien. Erhoben wurde auf Doctolib, Deutschlands größter Arzt-Buchungsplattform. Die private Abfrage entspricht der Plattform-Kategorie für privat Versicherte; Selbstzahler nutzen denselben Kanal. Beide Abfragen je Praxis liefen am Stichtag unmittelbar nacheinander.
- Nur der digitale Zugang. Gesetzlich Versicherte bekommen Termine weiterhin per Telefon, über die Hausarztpraxis oder über die Terminservicestelle 116117, die mit Überweisungscode einen Termin binnen vier Wochen garantiert. Der Befund ist gerade, dass der direkte digitale Weg, der Privatpatienten offensteht, gesetzlich Versicherten überwiegend verschlossen ist.
- Keine Überweisung ist rechtlich nötig für eines der sieben untersuchten Fächer. Verglichen wird der identische überweisungsfreie Ersttermin für beide Versicherungsarten. Die Plattform kodiert Überweisungspflichten strukturiert; keine der untersuchten Ersttermin-Terminarten trug eine.
- Momentaufnahme, keine Saison. Praxen geben Slots in Wellen frei. Wo Buchung freigeschaltet war, aber kein Slot erschien, lassen sich Kontingent-Politik und echte Auslastung aus einem Tag Daten nicht restlos trennen; die offenen PKV-Kalender derselben Praxen sprechen für Kontingent-Politik. Die Studie wird quartalsweise wiederholt.
- Plattform-übergreifende Robustheit. Eine Stichprobe der zwölf toplatzierten Berliner Hautarzt-Profile auf der zweitgrößten Plattform (Jameda) zeigte dieselbe Buchungslogik: getrennte Versicherungs-Schritte, dieselbe Privat-Dichte an der Listenspitze, mehrere identische Praxen. Kein Hinweis auf ein anderes Bild jenseits der Hauptplattform.
- Den Abrechnungsstatus erklären 55 Prozent der Profile; Nur-privat-Anteile werden gegen die erklärte Basis berichtet und so ausgewiesen. Die Englisch-Angabe ist die Eigenauskunft der Praxis.
- Wo Kalender geteilt sind, sehen beide Versicherungsarten identische Termine; solche Praxen zählen als gleicher Zugang. Eine Augenarztpraxis schloss Privatpatienten vom Online-Ersttermin aus, die Umkehr des allgemeinen Musters. Sie ist gezählt und berichtet. Wartezeiten jenseits der 98-Tage-Abfrage stammen aus dem Nächster-Termin-Feld der Plattform.
Finanzierung und Interessenkonflikt. TheGoodBroker berät zur privaten Krankenversicherung und kann bei Vermittlung eine Vergütung des Versicherers erhalten. Diese Studie wurde von keinem Versicherer finanziert oder inhaltlich beeinflusst. Methodik und aggregierte Ergebnisse sind zur unabhängigen Prüfung veröffentlicht. Die Studie misst Buchungsverfügbarkeit; sie trifft keine Aussage darüber, ob die private Krankenversicherung für eine einzelne Person die bessere Wahl ist.
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Die Serie
Sechs Metropolregionen, eine Methode, ein Stichtag
Jede Stadt wird einzeln erhoben und veröffentlicht, damit jedes Ergebnis für sich zitierfähig ist, in einer englischen und einer deutschen Ausgabe mit Stadt-PDF in beiden Sprachen. Ein Gesamtbericht aggregiert die sechs Metropolregionen.
Häufige Fragen
Brauchen gesetzlich Versicherte eine Überweisung für diese Fachärzte?
Nein. Gesetzlich Versicherte können Hautärzte, Orthopäden, Kardiologen, Gynäkologen, HNO-Ärzte, Augenärzte und Psychotherapeuten direkt aufsuchen. Eine Überweisung ist nur für Fächer wie Radiologie oder Labormedizin Pflicht, die nicht Teil dieser Studie sind. Praxen können eine Überweisung als eigene Hausregel trotzdem verlangen.
Heißt das, gesetzlich Versicherte bekommen gar keine Termine?
Nein. Die Studie misst den Online-Direktbuchungskanal an einem Stichtag. Telefon, Hausarztweg und die 116117 stehen gesetzlich Versicherten weiter offen. Die Daten zeigen, dass der bequeme digitale Weg, den Privatpatienten frei nutzen, ihnen überwiegend nicht offensteht.
Warten Privatpatienten an derselben Praxis immer kürzer?
Nein. Wo eine Praxis einen gemeinsamen Kalender für beide Versicherungsarten führt, sehen beide identische Termine, und das ist die Mehrheit der direkt vergleichbaren Fälle. Die Lücke erscheint, wo Kalender getrennt werden, und vor allem im Zugang: 53 Prozent der untersuchten Praxen zeigten gesetzlich Versicherten gar keinen Termin, während 91 Prozent Privatpatienten einen anboten.
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