Deutschland · Gesamtbericht, 6 Metropolregionen · 26. August 2026
Facharzttermin: 7 Tage privat, 21 Tage gesetzlich
Wir haben rund 14.400 Facharzt-Profile in den sechs größten deutschen Metropolregionen auf Doctolib, Deutschlands größter Buchungsplattform, erfasst. Bei 2.082 Praxen haben wir dann direkt verglichen, was dieselbe Praxis gesetzlich und privat Versicherten anbot. Privat Versicherte konnten bei 85 Prozent dieser Praxen buchen und warteten meist 7 Tage. Gesetzlich Versicherte konnten bei 48 Prozent buchen und warteten 21 Tage. Die übrigen 52 Prozent zeigten ihnen für die nächsten drei Monate gar keinen Termin, und 83 Prozent dieser Praxen hatten im selben Moment offene PKV-Termine.
Befund 1
In jeder Stadt hatten mindestens 4 von 10 Praxen online keinen Termin für gesetzlich Versicherte
Für jede Praxis haben wir den nächsten freien Ersttermin zweimal abgefragt: einmal als gesetzlich, einmal als privat versicherte Person, mit Blick bis 98 Tage voraus. Die Grafik zeigt, wie viele Praxen gesetzlich Versicherten im gesamten Fenster gar nichts anboten: von 42 Prozent in München bis 59 Prozent in Hamburg.
Anteil Praxen ohne einen einzigen Online-GKV-Termin binnen 98 Tagen, je Region
Sechs Metropolregionen, 26. August 2026 · rund 50 buchbare Praxen je Fach
Befund 2
Gesetzlich Versicherte warten zwei- bis viermal länger als Privatpatienten
Median-Tage bis zum nächsten buchbaren Ersttermin, gezählt nur über Praxen, in denen die jeweilige Versicherungsart überhaupt buchen konnte. In Berlin warten gesetzlich Versicherte doppelt so lang wie Privatpatienten, in Frankfurt viermal so lang.
Median-Tage bis zum nächsten buchbaren Ersttermin, nach Versicherungsart und Region
Sechs Metropolregionen, 26. August 2026 · Mediane über buchbare Praxen
An einzelnen Praxen ist die Lücke weit größer als die Mediane: 265 gegenüber 27 Tagen in Köln, 195 gegenüber 34 in München, 187 gegenüber 23 in Frankfurt, 112 gegenüber 1 in Berlin, und eine Düsseldorfer Kardiologie-Praxis, deren von der Plattform gemeldeter nächster GKV-Termin 552 Tage entfernt lag, während Privatpatienten am Folgetag kommen konnten.
Befund 3
Zwei Gründe, warum so viele Praxen gesetzlich Versicherten keinen Termin zeigen
Über die 2.082 Praxen hat die Lücke zwei verschiedene Ursachen, und die lohnt es auseinanderzuhalten: Manche Praxen schließen gesetzlich Versicherte komplett vom Online-Ersttermin aus, andere haben die GKV-Buchung freigeschaltet, geben aber keine Termine frei.
Was 2.082 buchbare Praxen gesetzlich Versicherten anboten
26. August 2026 · eine Praxis mit fehlgeschlagener GKV-Abfrage ausgelassen
Das sind keine leeren Kalender: 901 der 1.091 Praxen ohne GKV-Termin zeigten im selben Moment einen offenen, buchbaren PKV-Termin. Wo eine Praxis einen gemeinsamen Kalender für beide Versicherungsarten führt, sehen beide dieselben Termine. Die Ungleichheit sitzt im Zugang: Sie erscheint, wo Kalender getrennt werden, und vor allem darin, wer überhaupt einen Kalender bekommt.
Befund 4
Am größten ist die Lücke in Dermatologie, Psychotherapie und Kardiologie
Die sechs Metropolen nach Fachrichtung zusammengefasst: In Dermatologie und Psychotherapie zeigten sieben von zehn buchbaren Praxen gesetzlich Versicherten nichts, in der Kardiologie zwei von drei. HNO ist mit 24 Prozent das offenste Fach.
Anteil Praxen ohne einen einzigen Online-GKV-Termin binnen 98 Tagen, je Fachrichtung
Sechs Metropolregionen gepoolt, 26. August 2026
Befund 5
Die meisten Psychotherapie-Praxen behandeln nur Privatpatienten
Die Vollzählung der Profile zeigt, warum die Psychotherapie besonders ist. Unter Praxen mit angegebenem Abrechnungsstatus reicht der Nur-privat-Anteil von 61 Prozent in Frankfurt bis 76 Prozent in Hamburg. Kein anderes Fach kommt in irgendeiner Stadt in die Nähe.
Psychotherapie: Nur-privat-Anteil unter erklärten Praxen, je Region
Profilzählung, 26. August 2026
Befund 6
Englischsprachige Ärzte folgen demselben Muster
Zwischen 37 und 54 Prozent der Profile führen Englisch als Behandlungssprache, am stärksten im Raum Düsseldorf und im Raum Köln. Für internationale Patienten addieren sich beide Lücken: Englischsprachige Versorgung konzentriert sich genau in den Fächern und Praxen, in denen private Versicherung die Tür öffnet.
Anteil Profile mit Englisch als Behandlungssprache, je Region
Rund 14.400 Profile, 26. August 2026
Einordnung
Was diese Zahlen bedeuten, klar ausgesprochen
Die folgenden Schlussfolgerungen bleiben innerhalb dessen, was die Daten tragen.
- Online-Direktbuchung ist in Deutschlands Metropolen überwiegend ein Privatversicherten-Kanal. 85 Prozent der untersuchten Praxen waren für privat Versicherte buchbar gegenüber 48 Prozent für gesetzlich Versicherte, und 83 Prozent der Praxen, die gesetzlich Versicherten nichts zeigten, hatten im selben Moment einen offenen PKV-Kalender.
- Die Lücke ist konfiguriert, kein Zufall. 17 Prozent der Praxen schließen gesetzlich Versicherte vom Online-Ersttermin komplett aus; weitere 30 Prozent haben die GKV-Buchung freigeschaltet, gaben aber in 98 Tagen keinen Termin frei, und 6 Prozent fragen die Versicherung gar nicht ab und zeigten gesetzlich Versicherten trotzdem keinen Termin. Die Ausschlüsse sind Einstellungen, gewählt Praxis für Praxis; beim Rest lässt sich an einem Tag Kontingentpolitik nicht von echter Auslastung trennen.
- Wo gesetzlich Versicherte hineinkommen, warten sie dreimal so lang. Median 21 Tage gegenüber 7, mit Stadt-Medianen von 12 bis 33 Tagen und Lücken an einzelnen Praxen bis in die Hunderte von Tagen.
- In der Psychotherapie ist privater Schutz nahezu Voraussetzung für Online-Zugang. 61 bis 76 Prozent der erklärten Praxen sind reine Privatpraxen, und 71 Prozent der buchbaren Praxen zeigten gesetzlich Versicherten kein Erstgespräch.
- Gesetzlich Versicherte sind nicht von der Versorgung ausgesperrt, aber von der Bequemlichkeit. Telefon, Hausarztweg und die 116117 bleiben offen. Diese Studie misst die Bequemlichkeitslücke des direkten digitalen Kanals, nicht mehr und nicht weniger.
Methode und Grenzen
Was diese Studie misst, und was nicht
- Zwei Ebenen je Region. Eine Vollzählung von rund 14.400 erreichbaren Profilen in den sechs Regionen (Sprachen, erklärter Abrechnungsstatus, Online-Buchbarkeit) und Verfügbarkeits-Stichproben von insgesamt 2.082 buchbaren Praxen, rund 50 je Fach und Region, gleichmäßig über alle Ergebnisseiten gezogen, um die verfügbarkeitsbasierte Sortierung der Plattform nicht zu übernehmen.
- Zuschnitt. Dieser Bericht deckt die sechs größten deutschen Metropolregionen ab (Berlin, Hamburg, München, Frankfurt, Raum Düsseldorf, Raum Köln; N=2.082, jede Fach-Zelle n≥23).
- Plattform und Versicherungskategorien. Erhoben wurde auf Doctolib, Deutschlands größter Arzt-Buchungsplattform. Die private Abfrage entspricht der Plattform-Kategorie für privat Versicherte; Selbstzahler nutzen denselben Kanal. Beide Abfragen je Praxis liefen am Stichtag unmittelbar nacheinander.
- Nur der digitale Zugang. Gesetzlich Versicherte bekommen Termine weiterhin per Telefon, über die Hausarztpraxis oder über die Terminservicestelle 116117, die mit Überweisungscode einen Termin binnen vier Wochen garantiert. Der Befund ist gerade, dass der direkte digitale Weg, der Privatpatienten offensteht, gesetzlich Versicherten überwiegend verschlossen ist.
- Keine Überweisung ist rechtlich nötig für eines der sieben untersuchten Fächer. Verglichen wird der identische überweisungsfreie Ersttermin für beide Versicherungsarten.
- Momentaufnahme, keine Saison. Praxen geben Slots in Wellen frei; Kontingent-Politik und echte Auslastung lassen sich aus einem Tag Daten nicht restlos trennen. Die offenen PKV-Kalender derselben Praxen sprechen für Kontingent-Politik. Die Studie wird quartalsweise wiederholt.
- Der Abrechnungsstatus ist Eigenauskunft (55 bis 59 Prozent der Profile je Metropole); Nur-privat-Anteile werden gegen die erklärte Basis berichtet. Die Englisch-Angabe ist die Eigenauskunft der Praxis.
- Datenqualität. Mediane zählen nur buchbare Praxen; Wartezeiten jenseits der 98-Tage-Abfrage stammen aus dem Nächster-Termin-Feld der Plattform und sind als Plattform-Angaben gekennzeichnet. Drei Verfügbarkeits-Abfragen schlugen fehl und sind wo betroffen ausgelassen. In der Köln-Datei ist eine deterministische Kodier-Korrektur von 81 Zeilen auf der Köln-Seite dokumentiert. Eine Berliner Stichprobe auf der zweitgrößten Plattform (Jameda) zeigte dieselbe Buchungslogik und keinen Hinweis auf ein anderes Bild.
Finanzierung und Interessenkonflikt. TheGoodBroker berät zur privaten Krankenversicherung und kann bei Vermittlung eine Vergütung des Versicherers erhalten. Diese Studie wurde von keinem Versicherer finanziert oder inhaltlich beeinflusst. Methodik und aggregierte Ergebnisse sind zur unabhängigen Prüfung veröffentlicht. Die Studie misst Buchungsverfügbarkeit; sie trifft keine Aussage darüber, ob die private Krankenversicherung für eine einzelne Person die bessere Wahl ist.
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Die Serie
Sechs Metropolregionen, eine Methode, ein Stichtag
Jede Stadt wird einzeln erhoben und veröffentlicht, in einer englischen und einer deutschen Ausgabe, damit jedes Ergebnis für sich zitierfähig ist. Dieser Gesamtbericht führt die sechs Regionen zusammen.
Häufige Fragen
Brauchen gesetzlich Versicherte eine Überweisung für diese Fachärzte?
Nein. Gesetzlich Versicherte können Hautärzte, Orthopäden, Kardiologen, Gynäkologen, HNO-Ärzte, Augenärzte und Psychotherapeuten direkt aufsuchen. Eine Überweisung ist nur für Fächer wie Radiologie oder Labormedizin Pflicht, die nicht Teil dieser Studie sind. Praxen können eine Überweisung als eigene Hausregel trotzdem verlangen.
Heißt das, gesetzlich Versicherte bekommen gar keine Termine?
Nein. Die Studie misst den Online-Direktbuchungskanal an einem einzelnen Tag. Telefon, Hausarztweg und die 116117 stehen gesetzlich Versicherten weiter offen. Die Daten zeigen, dass der bequeme digitale Weg, den Privatpatienten frei nutzen, ihnen überwiegend nicht offensteht.
Warten Privatpatienten an derselben Praxis immer kürzer?
Nein. Wo eine Praxis einen gemeinsamen Kalender für beide Versicherungsarten führt, sehen beide identische Termine, und das ist die Mehrheit der direkt vergleichbaren Fälle. Die Lücke erscheint, wo Kalender getrennt werden, und vor allem im Zugang: 52 Prozent der untersuchten Praxen zeigten gesetzlich Versicherten gar keinen Termin, während 85 Prozent Privatpatienten einen anboten.
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