München · Region 3 von 6 · Stichtag 26. August 2026
Wie schwer ist es, in München online einen Facharzttermin zu bekommen?
Wir haben alle 2.238 erreichbaren Facharzt-Profile in sieben Fachrichtungen auf Deutschlands größter Buchungsplattform erfasst und anschließend die reale Terminverfügbarkeit bei 350 online buchbaren Praxen gemessen, getrennt abgefragt für gesetzlich und privat Versicherte. München gibt gesetzlich Versicherten mehr Online-Zugang als Berlin, Hamburg, Frankfurt, Düsseldorf oder Köln: 58 Prozent konnten etwas buchen. Was es ihnen nicht gibt, ist derselbe Kalender. Wo beide Versicherungsarten buchen konnten, warteten gesetzlich Versicherte im Median 21 Tage, privat Versicherte 8. In der Kardiologie lagen die Mediane bei 60 gegenüber 9 Tagen.
Befund 1
Wo gesetzlich Versicherte hineinkommen, warten sie zwei- bis sechsmal länger
Für jede Praxis der Stichprobe haben wir den nächsten buchbaren Ersttermin abgefragt, getrennt für gesetzlich (GKV) und privat (PKV) Versicherte. Die Grafik vergleicht die Median-Wartezeit je Fachrichtung, gezählt nur über Praxen, in denen die jeweilige Versicherungsart überhaupt buchen konnte. In der Kardiologie lag die Hälfte aller buchbaren GKV-Termine mehr als zwei Monate entfernt; der PKV-Median lag bei neun Tagen.
Median-Tage bis zum nächsten buchbaren Ersttermin, nach Versicherungsart
München, 26. August 2026 · Mediane über buchbare Praxen je Fach, auf ganze Tage gerundet
Datentabelle (exakte Werte)
| Fachrichtung | GKV-Median (buchbare n) | PKV-Median (buchbare n) |
|---|---|---|
| Kardiologie | 59,5 Tage (32) | 9 Tage (47) |
| Dermatologie | 55 Tage (21) | 10,5 Tage (44) |
| Augenheilkunde | 33 Tage (34) | 8,5 Tage (48) |
| Gynäkologie | 33 Tage (25) | 14,5 Tage (44) |
| Orthopädie | 14 Tage (35) | 7 Tage (45) |
| HNO | 10,5 Tage (40) | 6 Tage (50) |
| Psychotherapie | 7 Tage (15) | 9 Tage (38) |
Die Psychotherapie läuft gegen das Muster: Die wenigen GKV-Erstgespräche, die überhaupt buchbar waren, kamen schnell. Die Hürde ist dort nicht die Wartezeit, sondern überhaupt einen Kalender zu bekommen, wie Befund 2 zeigt. An einzelnen Praxen reicht die Lücke weit über die Mediane hinaus: Eine kardiologische Praxis listete den nächsten GKV-Termin in 187 Tagen und den nächsten PKV-Termin nach 8; eine Hautarztpraxis 195 gegenüber 34, eine HNO-Praxis 181 gegenüber 22.
Befund 2
Vier von zehn Praxen zeigten gesetzlich Versicherten gar nichts
Vor der Wartezeit kommt der Zugang. Die Grafik zeigt den Anteil der Praxen je Fachrichtung, deren GKV-Kalender im gesamten 98-Tage-Fenster keinen einzigen buchbaren Termin zurückgab. Über alle Fächer sind es 42 Prozent, weniger als in Berlin, Hamburg, Frankfurt oder Köln, aber immer noch vier von zehn.
Anteil Praxen ohne einen einzigen Online-GKV-Termin binnen 98 Tagen
München, 26. August 2026 · Verfügbarkeits-Stichprobe, 50 buchbare Praxen je Fach
Befund 3
Die 42 Prozent ohne GKV-Termin, zerlegt
Unter den 350 Praxen der Stichprobe hat die GKV-Lücke zwei verschiedene Mechanismen, und die verdienen getrennte Lektüre.
Was 350 buchbare Münchner Praxen gesetzlich Versicherten anboten
Verfügbarkeits-Stichprobe, 26. August 2026
Das sind keine leeren Kalender: 125 der 148 Praxen ohne GKV-Termin zeigten im selben Moment einen offenen, buchbaren PKV-Termin. Und anders als in Berlin führt die Mehrheit der direkt vergleichbaren Münchner Praxen getrennte Kalender: Von den 191 Praxen mit einem veröffentlichten Datum für beide Versicherungsarten trennen 110 die beiden, und dort wartete der gesetzlich Versicherte im Median 6 Tage länger, mit Lücken von bis zu 187 Tagen an einzelnen Praxen. Wo ein gemeinsamer Kalender beide bedient, sind die Termine identisch.
Befund 4
In der Psychotherapie sind sechs von zehn erklärten Praxen reine Privatpraxen
Die Zensus-Ebene erfasst jedes erreichbare Profil, 2.238 insgesamt. Wo ein Profil seinen Abrechnungsstatus erklärt, schwankt der Nur-privat-Anteil enorm zwischen den Fächern. Die Psychotherapie führt, wie bisher in jeder Stadt dieser Serie.
Nur-privat-Anteil unter Praxen mit erklärtem Abrechnungsstatus
Münchner Zensus, 26. August 2026 · 1.201 von 2.238 Profilen erklären einen Status
Befund 5
Englischsprachige Versorgung: breiter als in Berlin, gleiche Privat-Schlagseite
Über den gesamten Zensus führen 42 Prozent der Profile Englisch als Behandlungssprache, vier Punkte mehr als Berlin. Orthopädie und Kardiologie vorn, Augenheilkunde hinten. Wie überall konzentriert sich englischsprachige Versorgung genau in den Fächern und Praxen, in denen privater Schutz die Tür öffnet.
Anteil Profile mit Englisch als Behandlungssprache
Münchner Zensus, 26. August 2026 · alle 2.238 erreichbaren Profile
Einordnung
Was diese Zahlen bedeuten, klar ausgesprochen
Die folgenden Schlussfolgerungen bleiben innerhalb dessen, was die Daten tragen.
- Münchens Online-Buchung ist zuerst ein Privatversicherten-Kanal. Privat Versicherte konnten bei 90 Prozent der untersuchten Praxen buchen, gesetzlich Versicherte bei 58 Prozent, und 84 Prozent der Praxen, die gesetzlich Versicherten nichts zeigten, hatten im selben Moment einen offenen PKV-Termin.
- Münchens eigene Lücke ist die Zeit, nicht nur der Zugang. Wo beide Versicherungsarten buchen konnten, lag der GKV-Median bei 21 Tagen gegen 8. In der Kardiologie 60 gegen 9, in der Dermatologie 55 gegen 11. Berlins Ungleichheit sitzt vor allem im Zugang; München legt eine gemessene Wartezeit-Lücke obendrauf.
- Die Lücke ist konfiguriert, kein Zufall. 18 Prozent der Praxen schließen gesetzlich Versicherte vom Online-Ersttermin komplett aus, in der Psychotherapie 24 von 50 untersuchten Praxen, der höchste Wert der Stadt.
- In der Psychotherapie ist privater Schutz nahezu Voraussetzung für Online-Zugang. 62 Prozent der erklärten Profile behandeln ausschließlich privat, und 70 Prozent der buchbaren Praxen zeigten gesetzlich Versicherten binnen 98 Tagen kein Erstgespräch.
- Für englischsprachige Patienten addieren sich beide Lücken. Englischsprachige Versorgung ist leichter zu finden als in Berlin (42 Prozent der Profile), konzentriert sich aber dort, wo privater Schutz die Tür öffnet.
Methode und Grenzen
Was diese Studie misst, und was nicht
- Zwei Ebenen. Eine Vollzählung aller 2.238 erreichbaren Profile (Sprachen, erklärter Abrechnungsstatus, Online-Buchbarkeit; 2.378 gelistet, 140 nicht erreichbar) und eine Verfügbarkeits-Stichprobe von 350 buchbaren Praxen, 50 je Fach, gleichmäßig über alle Ergebnisseiten gezogen, um die verfügbarkeitsbasierte Sortierung der Plattform nicht zu übernehmen.
- Plattform und Versicherungskategorien. Erhoben wurde auf Doctolib, Deutschlands größter Arzt-Buchungsplattform. Die private Abfrage entspricht der Plattform-Kategorie für privat Versicherte; Selbstzahler nutzen denselben Kanal. Beide Abfragen je Praxis liefen am Stichtag unmittelbar nacheinander.
- Nur der digitale Zugang. Gesetzlich Versicherte bekommen Termine weiterhin per Telefon, über die Hausarztpraxis oder über die Terminservicestelle 116117, die mit Überweisungscode einen Termin binnen vier Wochen garantiert. Der Befund ist gerade, dass der direkte digitale Weg, der Privatpatienten offensteht, gesetzlich Versicherten überwiegend verschlossen ist.
- Keine Überweisung ist rechtlich nötig für eines der sieben untersuchten Fächer. Verglichen wird der identische überweisungsfreie Ersttermin für beide Versicherungsarten. Die Plattform kodiert Überweisungspflichten strukturiert; keine der untersuchten Ersttermin-Terminarten trug eine.
- Momentaufnahme, keine Saison. Praxen geben Slots in Wellen frei. Wo Buchung freigeschaltet war, aber kein Slot erschien, lassen sich Kontingent-Politik und echte Auslastung aus einem Tag Daten nicht restlos trennen; die offenen PKV-Kalender derselben Praxen sprechen für Kontingent-Politik. Die Studie wird quartalsweise wiederholt.
- Den Abrechnungsstatus erklären 54 Prozent der Profile; Nur-privat-Anteile werden gegen die erklärte Basis berichtet und so ausgewiesen. Die Englisch-Angabe ist die Eigenauskunft der Praxis.
- Mediane zählen nur über buchbare Praxen und sind in Grafiken auf ganze Tage gerundet; die Datentabellen tragen die exakten Werte. Wartezeiten jenseits der 98-Tage-Abfrage stammen aus dem Nächster-Termin-Feld der Plattform. Wo sich beide Versicherungsarten einen Kalender teilen, sehen beide identische Termine; solche Praxen zählen als gleicher Zugang.
Finanzierung und Interessenkonflikt. TheGoodBroker berät zur privaten Krankenversicherung und kann bei Vermittlung eine Vergütung des Versicherers erhalten. Diese Studie wurde von keinem Versicherer finanziert oder inhaltlich beeinflusst. Methodik und aggregierte Ergebnisse sind zur unabhängigen Prüfung veröffentlicht. Die Studie misst Buchungsverfügbarkeit; sie trifft keine Aussage darüber, ob die private Krankenversicherung für eine einzelne Person die bessere Wahl ist.
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Die Serie
Sechs Metropolregionen, eine Methode, ein Stichtag
Jede Stadt wird einzeln erhoben und veröffentlicht, damit jedes Ergebnis für sich zitierfähig ist, in einer englischen und einer deutschen Ausgabe mit Stadt-PDF in beiden Sprachen. Ein Gesamtbericht aggregiert die sechs Metropolregionen.
Häufige Fragen
Brauchen gesetzlich Versicherte eine Überweisung für diese Fachärzte?
Nein. Gesetzlich Versicherte können Hautärzte, Orthopäden, Kardiologen, Gynäkologen, HNO-Ärzte, Augenärzte und Psychotherapeuten direkt aufsuchen. Eine Überweisung ist nur für Fächer wie Radiologie oder Labormedizin Pflicht, die nicht Teil dieser Studie sind. Praxen können eine Überweisung als eigene Hausregel trotzdem verlangen.
Heißt das, gesetzlich Versicherte bekommen gar keine Termine?
Nein. Die Studie misst den Online-Direktbuchungskanal an einem Stichtag. Telefon, Hausarztweg und die 116117 stehen gesetzlich Versicherten weiter offen. Die Daten zeigen, dass der bequeme digitale Weg, den Privatpatienten frei nutzen, ihnen nur teilweise offensteht, und langsamer, wo er es tut.
Warten Privatpatienten an derselben Praxis immer kürzer?
Nein. Wo eine Praxis einen gemeinsamen Kalender für beide Versicherungsarten führt, sehen beide identische Termine. In München führt allerdings die Mehrheit der direkt vergleichbaren Praxen getrennte Kalender (110 von 191), und dort lag der GKV-Median 6 Tage höher, mit Lücken bis 187 Tagen an einzelnen Praxen. Die größere Ungleichheit ist der Zugang: 42 Prozent der untersuchten Praxen zeigten gesetzlich Versicherten gar keinen Termin, während 90 Prozent Privatpatienten einen anboten.
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